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Forschung
Amazonischer Giftfrosch: Populationsunterschiede ohne Einfluss auf Habitatwahl
Das Verständnis intraspezifischer Variationen in der Habitatwahl polytypischer Arten, bei denen unterschiedliche Varianten in verschiedenen Populationen auftreten, kann das Wissen über populationsspezifischen Selektionsdruck verbessern. Außerdem kann dieses Wissen im Zusammenhang mit Erhaltungsmaßnahmen hilfreiche Informationen liefern. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Vetmeduni untersuchte nun die Unterschiede bei der Habitatwahl von sechs Populationen des Färber-Giftfroschs (Dendrobates tinctorius).

Der Färber-Giftfrosch ist eine aposematische ("warnend" gefärbt, giftig) Art, in der Individuen von verschiedenen Populationen sehr unterschiedlich aussehen (Färbung, Körpergröße, usw.). Für ihre Studie erfassten die Forscher:innen in jeder Population die Fundorte und den zugehörigen Lebensraum der Frösche und bewerteten systematisch das verfügbare Habitat. Dazu Studien-Letztautorin Bibiana Rojas vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Vetmeduni: „Wir stellten die Hypothese auf, dass sich die Habitatwahl zwischen Populationen mit unterschiedlichen Varianten unterscheidet. Dabei gingen wir davon aus, dass größere Frösche weniger auf feuchtespeichernde Habitatstruktur, wie umgestürzte Bäume und Totholz, angewiesen sind. Zweitens vermuteten wir Unterschiede zwischen vom Menschen gestörten und weitgehend unberührten Gebieten, wobei wir annahmen, dass Frösche in gestörten Gebieten stärker auf Strukturvielfalt und Gewässer angewiesen sind. Wir haben auch Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen vorhergesagt, mit stärkeren Unterschieden bei der Habitatwahl in Populationen mit ausgeprägterem sexuellen Größendimorphismus.“
Forscher:innen identifizieren starke allgemeine Muster der Habitatwahl
Entgegen diesen Annahmen fand das Forschungsteam nur geringe Unterschiede in der Habitatwahl zwischen den Populationen oder zwischen menschlich beeinflussten und unberührten Gebieten. Generell waren aber Frösche aller Populationen auf umgestürzte Bäume, Totholz und kleine Wasserquellen angewiesen. Darüber hinaus tendierten Männchen stärker zur Nähe von Wasser (zu dem sie frisch geschlüpfte Kaulquappen transportieren) und Weibchen zur Nähe von Totholz, in dem sie oft ihre Eier ablegen.
Wichtige neue Informationen für zukünftige Schutzmaßnahmen
Zusammengenommen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Habitatwahl bei aposematischen Arten über die Populationen hinweg konstant sein könnte, was möglicherweise auf eine geringere Anfälligkeit für lokale Risiken durch Fressfeinde zurückzuführen ist. Studien-Co-Autorin Lia Schlippe Justicia vom KLIVV betont die Bedeutung der Forschungsarbeit: „Unsere Studie ist die erste, die die Habitatwahl von D. tinctorius in einem großen Teil seines Verbreitungsgebiets, einschließlich vom Menschen beeinflusster Standorte, untersucht. Da es sich um eine polytypische Art handelt (Individuen verschiedener Population haben unterschiedliches Aussehen), ist es für eine effektive Schutzplanung und Prioritätensetzung von entscheidender Bedeutung zu verstehen, ob verschiedene Populationsvarianten unterschiedliche Habitatanforderungen haben. Unsere Ergebnisse liefern wichtige Grundlagendaten zu den Lebensraumanforderungen dieser faszinierenden Art, welche in Zukunft für effiziente Schutzmaßnahmen von Bedeutung sein können.“
Der Artikel „Phenotypic divergence across populations does not affect habitat selection in an Amazonian poison frog“ von Martin Mayer, Lia Schlippe Justicia und Bibiana Rojas wurde in „Global Ecology and Conservation“ veröffentlicht.
Wissenschaftlicher Artikel
Rückfragekontakt:
Ass.-Prof. PhD. Bibiana Rojas
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni)
Bibiana.Rojas@Vetmeduni.ac.at